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Familienleben mit einem Krebskranken- die Sicht der Ehefrau und Partnerin {Teil 1}

Ich finde dieses Bild spiegelt unsere Familie gut wieder,  eigentlich existend, sind wir aber im Moment nur noch eine schlechte Zeichnung unserer selbst.

Ich habe lange überlegt, ob ich das machen soll. Zu erzählen, wie es ist als Ehefrau oder Partnerin mit einem krebskranken Mann zu leben. Da ich nicht die große Schreiberin bin, versuche ich trotzdem mal meine Gefühle und unseren Alltag ein wenig einzufangen.

Aber ich möchte gern ein paar Sachen ansprechen, die vielleicht tabu sind oder sich viele Angehörige nicht trauen auszusprechen.

Ich persönlich fühle mich manchmal sehr hilflos und allein gelassen mit der ganzen Situation.Ich merke, dass ich auf meinen Mann sauer werde, weil er nur rumhängt und nichts tut. Außer sich zu beschweren. Ich muss alles machen. Und es nervt mich, dass ich selbst nicht mehr zähle oder wahrgenommen werde. Nur noch die bescheuerte Krankheit bekommt Raum und Gehör. Krebs ist wirklich wirklich eine schlimme Krankheit, die das ganze Leben  einnimmt, das des Erkrankten und das der Angehörigen. Für immer. Besonders wenn er nicht heilbar ist, wie bei meinem Mann. Es ist krass formuliert, ein Sterben auf Zeit.

Ich will für meinen Mann das Beste, aber es nicht einfach, da man nicht helfen kann, wenn er starke Schmerzen oder Depressionen hat. Auch habe ich das Gefühl, dass bei uns, das heißt in unserer Gegend, niemand wirklich über das Thema reden will. Ich habe schon versucht eine Selbsthilfegruppe zugründen, aber es hat sich niemand gemeldet. Auch stecke ich hier ein bisschen fest, ich arbeite nicht, also bin ich meist zu Hause und habe wenig Kontakt mit der Außenwelt. Ich muss aber dazu sagen, dass ich eher der introvertierte Typ bin, also ich bin gern zu Hause und muss nicht viele Menschen um mich herum haben. Aber das erschwert meinen Austausch mit anderen Familien, denen es ähnlich ergeht. Ich muss momentan viel mit mir selbst ausmachen.

Ich finde gerade für Angehörige ist die Situation sehr schwer, der Partner ist krank, man ist allein verantwortlich für alles. In meinem Fall ist das der Haushalt, der Garten, die Kinder, auch Reparaturen am Haus die vorher mein Mann gemacht hat. Ich muss alle Termine im Blick haben, auch seine, da er viel vergisst durch die vielen Opiate.

Auch lastet der Druck auf mir, möglichst schnell wieder zu arbeiten. Am besten Vollzeit, da er nicht mehr arbeiten kann und uns bald das Geld ausgeht. Dazu kommt die gereizte Stimmung im Haus, da mein Mann leicht gestresst ist durch seine Schmerzen. Die Kinder bekommen das meiste ab, da sie laut und „schnell“ sind, was ihm zu stressig ist. Man merkt, dass die Kinder genervt sind, da sie dauernd nur geschimpft bekommen. Dann schimpfen sie weiter, sich gegenseitig oder mich. Das wiederum nervt mich, ich bin auch gereizt, weil ich den Kopf voller Dinge habe, die zu erledigen sind, nebenbei die Kinder streiten und mein Mann vor Schmerzen stöhnt und schimpft.

Straße ins UngewisseUnd wehe ich habe selbst Kopfweh, oder einen schlimmen Allergie-Anfall. Ich traue mich gar nicht zu erwähnen, dass ich es mir auch mal schlecht geht, da es ihm ja immer schlechter geht. Was soll ich mich da beschweren? Immerhin habe ich keinen Krebs, meine Schmerzen gehen vorbei. Wisst ihr was ich meine? Man darf nie jammern oder krank sein. Weil ihm geht es ja schlechter. Das ist kein Vorwurf an ihn, sondern mein Gefühl, dass ich ihm gegenüber habe.

Ich finde auch als Angehörige hat man seine Rechte, auch wenn es sich vielleicht falsch anfühlt. Aber man muss was für sich selbst tun. Ich kann meinem Mann nicht behandeln oder heilen, nur für Ihn da sein. Er muss für sich selbst entscheiden, was er für sich tut, ob er gut isst, zum Arzt geht etc.

Aber um für ihn da zu sein, muss ich Kraft und gute Nerven haben!

Meine Familie

Damit man überhaupt weiß, wer wir sind, schreibe ich kurz unseren „Werdegang“.

Ich und mein Mann haben uns vor 15 Jahren im Urlaub auf Gran Canaria kennengelernt. Ich war kurz vor meinem Abitur, er war 12 Jahre älter als ich und wohnte in Österreich.

Aber damals schon war ich fasziniert von ihm und auch wenn es sich durch den Altersunterschied und unsere verschiedenen Lebenswege damals nicht ausging eine Beziehung zu führen, haben wir uns trotzdem jedes Jahr gesehen. Als meine Mutter 2007 krank wurde ging ich wieder nach Hause, nach Bayern um meinen Vater und meine Geschwister zu unterstützen.

Von da an sahen wir uns öfter und es war so, als würden wir uns schon immer kennen. Ich war damals kein Beziehungsmensch, ich bin beruflich viel umgezogen und bin ein introvertierter Mensch, der lieber Zeit mit sich selbst verbringt. Aber mein Mann war immer ein Teil meines Lebens, von dem Moment an, an dem wir uns kennen gelernt haben. Wir passen einfach gut zueinander, bei uns dürfen wir sein wer wir sind, versteht ihr? Ich bin bestimmt kein einfacher Mensch und frage mich immer was andere von mir halten und denken. Aber bei ihm war ich ich, egal was ich angestellt habe oder gesagt habe. Und andersherum glaub ich auch. Auch er ist beziehungmäßig nicht einfach, aber es war mir egal, ich wusste woran ich bei ihm bin, und entweder es funktionierte oder nicht.

Als sich meine Hormone laut und deutlich zu erkennen gaben, zog ich nach Österreich und wir gründeten eine Familie. Es war auch nach den Jahren trotzdem eine Überlegung für mich, ob ich das machen soll. Immerhin ist er 12 Jahre älter und in seiner Familie sind sein Vater und sein Opa beide an Lungenkrebs gestorben. Ich habe also bereits früher bedacht, dass es sein kann, dass er früher stirbt. Trotzdem wollte ich ihm gern Kinder schenken.

Das haben wir also gemacht, Kinder, die momentan fünf, drei und ein Jahr alt sind. Und ein wunderschönes Holzhaus haben wir gebaut, worauf wir sehr stolz sind, da wir es auch mithilfe meiner Familie gebaut haben. Er hatte eine tolle Arbeit, ich hatte mein tolles Haus und die wunderbaren Kinder. Alles soweit perfekt!

Teil 2 kommt morgen….

Nach dem Verweilen darfst Du teilen:

2 Kommentare

  1. Carmen sagt

    Hallo! Danke für deinen Beitrag.
    Mein Mann ist im Jahr 2014 an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt. Er hatte eine Überlebenschance von 20 %.
    Wir haben 2 kleine Kinder. Die Jüngte war ein Säugling und die andere gerade einmal 3 Jahre alt.
    Lebten auf einer Baustelle, weil wir ein altes Haus gekauft hatten, dass kernsaniert wurde von uns. Ich war in Elternzeit. Als die Diagnose gestellt wurde, sah es kritsch aus u wir haben über Beziehungen einen Arzt gefunden, der die OP frühzeitig gemacht hat u Ahnung davon hatte. Dafür mussten wir 8000 Euro bezahlen. Als Kassenpatientin hat man Wartezeit. Habe gelernt, dass Deutschland nicht so sozial ist, wie man glaubt.
    Danach folgte Chemo. Er brüllte nur noch herum vom Stress. Nach der Diagnose zog er aus und ich saß alleine in diesem Haus mit kaltem Wasser u Bauschutt. Er sagte, er brauch Ruhe. Das Geld nahm er auch mit.

    Ich hatte Angst ihn durch den Tod zu verlieren. Hatte kein Geld, um die Handwerker zu bezahlen, den Kühlschrank zu füllen. Meine Kinder haben mich in dieser Zeit das erste Mal schwach erlebt. Meine Familie rückte daher näher. Meine Bruder füllte mir den Kühlschrank, der andere halb mir im Garten, meine Mutter halb mir bei der Kinderbetreuung. Ich zog um. Zurück an den Ort, wo ich her komme. Dort war mein Soziales Netzwerk, nahm eine Arbeit auf. Es war schwer die erste Zeit. Die Große hatte Probleme im Kindergarten und die Mentalität meines Heimatortes mochte ich noch nie. Die Arbeit war auch sehr schwer, hatte mit schweren sozialen Problemfällen zu tun.
    Meinem Mann habe ich zuvor gesagt, dass ich ihn auf keinen Fall pflegen werde, da ich das nicht schaffe. Er kümmerte sich um seine Gesundheit, um die Fertigstellung des Hauses, das wir in 3 Wohneinheiten umbauen lassen haben. Nicht leicht, wenn man wenig finanzielle Mittel hat.
    Am Anfang habe ich ihm meine Angst gezeigt, und damit habe ich ihm die Kraft genommen, die er für die Genesung benötigt hat. Danach nie wieder. Habe ihm nie wieder meine Angst gezeigt und immer nur Mut gemacht u ihm gezeigt, dass ich an ihn glaube und an seine Heilung. Habe alternative Methoden gefunden und ihm diese unterbreitet als er nicht mehr klar denken konnte vor Verzweiflung (Nanoknife, Immuntherapie). Ich war Wochen und Monate alleine und mit den beiden Kindern in Krankenhäsuern unterwegs (Heidelberg, Koblenz, Bonn).
    Dann brach mein Bruder durch einen schweren Schlaganfall weg. Er wurde pflegebedürftig und seine Frau verließ ihn. Früher unterstützte er mich. Nun war er hilflos. Ich besuchte ihn mit den Kindern im Krankenhaus in Trier. Diese waren Krankenhäuser schon gewohnt. Der halbe Schädel war daher nicht so schockierend für sie.
    Dieser lebt nun bei meiner Mutter, er hat fast alles verloren. Meine Mutter kann mich nicht mehr unterstützen, alles hängt an mir. Fast, ich habe eine Patentante, die mir hier und da einmal auf die Kinder aufpasst. Zum Glück.
    Wir sind in den letzten Zügen: Das letzte Appartement ist fast fertig. Die MRTś unauffällig, ich habe mich auf der Arbeit eingelebt, die Kinder in Kindergarten und Schule auch. Wir sehen uns nun öfter als früher mein Mann und ich. Wohnen immer noch getrennt, sind aber sehr froh, dass nun alles so gut läuft und wir uns stabilisiert haben. Alles ist möglich. Man muss daran glauben. Hier wo ich wohne bin ich nicht wirklich so glücklich. Auch möchte ich meinen Mann öfter sehen und glaube daran, dass dies im nächsten Jahr so sein wird. Ich fühle mich ausgebrannt und überlege mir, eine Kur zu machen mit den Kindern. Ich bin durch unzählige seelische dunkle Landschaften gegangen, habe viele gut gemeinte Tipps in den Wind jagen müssen, die mir nur das Gefühl gegeben haben, klein zu sein. Nein, niemand ist klein. Jeder kann stark sein. Jeder kann es schaffen. Es war eine emotionale BergundTalfahrt. Wo man sich den dunklen Schatten der eigenen Persönlichkeit stellen muss. Ängste, Sehnsüchte, Verzweiflung. Und was einem wirklich gut tut ist es zu hören: DU SCHAFFST DAS! Und man kann es tatsächlich schaffen.

    Alles gute für dich und alle anderen Betroffenen, Angehörigen von Krebspatienten. Die Wege sind wohl sehr individuell.

    Carmen

    • Alexandra sagt

      Liebe Carmen, danke für Deine Geschichte! Es ist auch wiederum beruhigend zu wissen, dass man mit all seinen Ängsten und Nöten nicht allein ist auf der Welt. Es wird zwar viel darüber geschwiegen, wie ich finde, gerade auch als Angehöriger sollte man wohl stark sein für den Krebspatienten. Aber man ist es nicht. Deiner Erzählung nach bist Du eine sehr starke Frau, ich bewundere Dich, denn das was Du geschrieben hast hört sich schrecklich an! Ich hoffe Du hast auch die Kraft mitgenommen in Dein neues Leben und ich hoffe die Kinder sind Dir eine Stütze und dass Du bald alles bekommst was Du dir für Dein Leben wünschst!

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