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Mein Leben nach dem Tod – ein Neuanfang

Das Leben

Es war soweit. Anfang August, ich wollte mit den Kindern zu meiner Familie fahren, um meinem Mann ein wenig Ruhe und Auszeit von uns zu gönnen. Es waren ja gerade Ferien und permanent mit aufgedrehten lauten Kindern umgeben zu sein ist nun mal für einen schmerzgeplagten Krebspatienten suboptimal.

das Leben - der Sommer

Seine Mutter kam um ihn zu umsorgen. Wir wollten ihm die nötige Ruhe gönnen.
Und dann bekam er eine Sepsis. Von einer Stunde auf die andere. Er kam auf Intensivstation. Wir sind sofort nach Österreich zurück gefahren. Die Kinder haben ihn ein letztes Mal gesehen.

Am zweiten Tag auf Intensiv kam der Anruf in der Früh um 4 Uhr. Man weiß was kommt. Man weiß es irgendwie. Ich bin mit den gemischten Gefühlen der Angst, Panik aber auch einem Neuanfang folgend ins Krankenhaus gefahren. Habe seine Hand gehalten, die nichts mehr halten konnte.
Ich war bei seinem letzten Kraftakt dabei, wie die Luft aus seinen Lungen wich und der Körper endgültig zum Stillstand kam.
Erst hatte ich richtige Panik und ich war verzweifelt. Warum muss das sein?

Im Nachhinein sehe ich das Ganze etwas anders. Ich möchte mein Erlebnis hier kurz mit Euch teilen, als einen Neuanfang für mich, meine Kinder und für diesen Blog. Ich weiß nicht ob es richtig ist, aber ich halte das Thema Tod einfach für wichtig.

Ich bin nun alleinerziehende Mutter von drei kleinen Kindern. Mit einem Haus, auf dem noch Schulden sind. Ohne Arbeit. Ohne viel Einkommen. Meine Familie wohnt zu weit weg, als dass sie mir bei täglichen Dingen helfen könnte. Meine Kinder habe ihren Vater für immer verloren. Ich habe keinen Partner mehr, bin jeden Abend einsam, die meisten Tage verbringe ich oft nur mit den Kindern. Ich musste mit ansehen wie mein Mann, den ich schon so lange kenne und liebe, erst verfallen und dann in meinen Armen gestorben ist. Ich bin Mitte 30. Was soll da noch kommen?

Nun, ich bin grundlegend ein recht positiver Mensch, liebe Veränderungen und bin durch den Tod nicht in ein Loch verfallen.
Nein. Ich teile meine Gedanken mit Euch, um zu zeigen, dass es nicht das Ende ist, wie ich durch die Trauer gehe und vielleicht hilft es jemanden, anders über den Tod zu denken.

das Leben - der Sommer1. die Krankheit

Im Nachhinein verlief die Krankheit optimal, wenn man das so sagen darf. Mein Mann war immer zu Hause, konnte bei mir sein, bei den Kindern. Durfte in seinem schönen Bett schlafen (wer Krankenhausbetten kennt, weiß von was ich rede) und musste nie länger als zwei Tage im Krankenhaus verbringen. Ich habe ihn umsorgt, ihn überall hingefahren, ihn geschimpft, wenn er nichts gegessen hat (gut, das fand er nicht so toll). Seine Mama war oft da, sie konnten noch viel Zeit miteinander verbringen.
Er war nie ein Pflegefall, er konnte laufen, aufs Klo, essen, alles soweit normal, bis auf die schlimmen Schmerzen. Aber dafür kam eine ganz liebe Dame aus dem Palliativteam und hat ihn bei uns zu Hause versorgt.
Wir haben all seine Wünsche erfüllt, wir haben geheiratet, den Kindern seinen Nachnamen gegeben. Und mir 🙂 Wir hatten eine wunderschöne Feier mit der ganzen Familie, die sich tatsächlich bis dato noch gar nicht kannte, da er aus Brandenburg stammt und ich aus Bayern.

Wir waren im Urlaub in Griechenland, mit dem Wohnmobil fuhren wir durch Österreich und in Kroatien waren wir mit unseren besten Freunden. Das alles waren seine Wünsche und ist es nicht so wunderbar, das alles erfüllt zu haben? Kein schlechtes Gewissen, dass ich ihm was verwehrt hätte, denn es war bei Gott für mich kein Urlaub sondern purer Stress. Drei kleine Kinder plus kranker Ehemann, dafür packen, Auto fahren, alles auspacken, schauen dass keiner verloren geht. Aber in Erinnerung sind diese Urlaube unter wunderschön gespeichert.

das Leben - der Herbs2. der Tod

Es war wirklich Zufall, dass seine Mutter hier war. Das war so perfekt, sie konnte bei den Kindern bleiben als ich in der Früh ins Krankenhaus musste. Er wollte eigentlich nie auf der Intensivstation sterben, aber so haben die Schwestern gemerkt, wann es soweit ist und haben mich geholt. Das war mir ganz wichtig, dass ich dabei bin!

Ich hatte natürlich Panik, dass der Tod kommt, aber es war auch eine Art Erleichterung, dass die Krankheit endlich vorbei ist. Es ist schwer zu beschreiben und es war mit Sicherheit nicht schön. Aber es war schön, dass ich ihn im Arm halten konnte. Das werde ich nie vergessen. Und ich habe wochenlang mir dieses Bild immer wieder vor Augen geholt, dieses schlimme, beängstigende Bild, wie er ausatmet und alles Leben plötzlich aus ihm raus ist. Und ich habe immer wieder positive Gedanken dazu assoziiert. Ich durfte bei ihm sein, ihn halten, ihn umarmen, letzte Worte flüstern. Und genau das war schön. Auch heute ist es immer noch traurig, an den Moment zu denken. Aber ich bekomme keine Panik und finde es schrecklich, sondern ich bin traurig, aber froh das erlebt zu haben. Ich hoffe das hört sich nicht gruselig an, aber für mich war das wichtig. Er war so ein wichtiger Mensch für mich, und ich hab den wichtigsten Teil seines Lebens begleiten und verschönern dürfen.

Und was mir noch wichtig war, ist, dass er schnell gestorben ist. Man kennt ja Geschichten, wo sich die Sterbenden nicht lösen möchten und der Kampf ein stunden- oder auch tagelanger ist. Er hat bewusst, nachdem ich da war und mit ihm noch geredet habe, alle Maßnahmen abgewehrt, um ihn noch länger zu beatmen. Ganz plötzlich. Und ich weiß, für ihn war der Tod damit in Ordnung, sein Leben war toll, wir haben geklärt was wichtig ist. Es ist Zeit zu gehen.

das Leben - der Winter

3. Das Leben danach – ein Neuanfang

Ich muss sagen, ich habe mich von Anfang an auf den Tod vorbereitet. Ich wusste dass er sterben wird. Ich war da auch etwas radikal, aber auf Grund meiner Erfahrung bei meiner Mutter musste ich das machen. Meine Mutter hatte eine schwere Gehirnblutung, lag ein Jahr durchgehend im Krankenhaus, davon ein halbes Jahr auf Intensiv. Und wir haben uns immer wieder Hoffnung gemacht und auch von den Ärzten machen lassen. Ärzte werden nie sagen, man soll die Hoffnung aufgeben, der Patient wird sterben. Ist auch ihr gutes Recht. Aber ich wollte einfach nicht mehr dumm dastehen, als sie dann doch starb. Und es im Nachhinein so klar war.
Bei meinem Mann habe ich bereits den Weg, den ich nach seinem Tod gehen will, während der Krankheit geplant. Keine meiner Zukunftsträume handelte mit ihm. Natürlich hatten wir noch Pläne, aber alles war auf Wochen geplant. Meine Zukunft, die in Jahren, die habe ich bereits allein mit den Kindern geplant. Hört sich radikal an, aber es ist so. Klar soll man die Hoffnung nicht aufgeben und kämpfen, wenn er länger gelebt hätte wäre es ja super gewesen. Aber so habe ich jetzt keine traurigen Gedanken, wie „ach, das hätten wir noch zusammen machen wollen“ etc. Meine Zukunftspläne sind gemacht, und es läuft. Ich mache alles genauso wie ich es geplant hatte. Das hilft mir wahnsinnig, da ich in kein Loch falle. Ich weiß was ich zu tun habe, das mache ich und freue mich auf die Zukunft.

Interessant ist es, dass ich nun weiß, dass der Tod Bestandteil des Lebens ist. Wir werden alle sterben. Manche können es schwer akzeptieren. Meine Oma  sagte mir, deren Mann 87 Jahre ist und die über 50 Jahre verheiratet sind, es ist immer zu früh! Aber ich habe keine Angst mehr vor dem Tod selbst, nur davor nicht alles geregelt zu haben und sein Leben nach Bestem Gewissen gelebt zu haben. Der Vorteil dieser Erfahrung, hat tatsächlich den Vorteil, dass das Leben viel intensiver wird. Ich nehme es anders war. Ich mache nicht viel anders oder viel mehr als vorher, aber Kleinigkeiten, wie ein warmer Herbsttag,  erfreuen mich viel mehr als früher.

Es war eine wunderbare Zeit mit meinem Mann, ich danke ihm, dass er mir drei Kinder geschenkt hat. Drei gesunde Kinder, wir haben ein Heim gebaut, das wird mir und den Kindern gehören. Ich werde Arbeit finden, ich bin so motiviert gegen diesen dummen Krebs zu kämpfen. Ich möchte mit Ernährung und Prävention arbeiten, es ist mir so eine Herzensangelegenheit. Gerade wegen der Kinder, da es wirklich mein aller schlimmster Alptraum wäre, auch noch mein Kind jemals an Krebs sterben zu sehen.

Und genau das hat mit dem Blog zu tun. Ich werde weder viel Zeit dafür haben, noch alles perfekt machen. Aber ich will hier meine Arbeit, meine Rezepte, Erfahrungen, Tipps und Wissen ein wenig teilen um selbst davon zu profitieren und vielleicht anderen ein wenig zu helfen.

 

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2 Kommentare

  1. Katrin sagt

    Wahnsinn, mir bleibt die Sprache weg: Chapeau! So ehrlich, so mutig, so herzlich! Du bist ein großes Vorbild! Schreib weiter darüber und bring weitere Tabus zum Brechen! Bin gespannt was es weiter in deinem Blog zu lesen gibt und ich glaube fest daran, dass du das was du willst erreichen wirst!

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